Wissen trifft immer und zwar kritisch

Datenschutz ist Menschenschutz

27. August 2013.Philipp Nordmeyer.0 Likes.0 Comments

Solid[box type=“info“] Der Artikel ist noch nicht fertig, ich stelle Ihn aus Zeitgründen aber trotzdem schon online.[/box]

Es ist schon einige Wochen her, dass ich zugesagt habe einen Vortrag über Datenschutz auf der Ideenexpo in Hannover zu halten. Ich dachte ich sage etwas über das Profiling durch Unternehmen wie Google oder Facebook. Wie man Spuren im Netz hinterlässt und was man damit alles anstellen kann. Ich wollte auch etwas über die Bestandsdatenauskunft deutscher Ermittlungsbehörden sagen, wie intim die dort erhaltenen Daten sein können. Ich wollte aber auch sagen, dass die größte Gefahr Hacker sind, wenn auch eine relativ kleine. Die Horror-Szenarien von Verschwörungstheoretikern und Hollywood sind eben trotz allem noch Hirngespinste.

Dann kam Edward Snowden und ich entschuldige mich bei allen Verschwörungstheoretikern. Wenn ich in irgendeiner Weise handwerklich begabt wäre, würde ich jetzt wahrscheinlich einen Hut aus Alufolie tragen, um mich vor satellitengesteuerten Gedankenkontrollstrahlen zu schützen. Immerhin scheinen so ziemlich alle Befürchtung zur Überwachung von Menschen zutreffend zu sein. Snowden deckte vor einigen Wochen auf, dass die amerikanische NSA und das britische GCHQ den Internetverkehr weltweit beobachten. Noch wichtiger ist: Sie können mit Programmen wie Prism und Tempora den Datenverkehr abfangen, zwischenspeichern und in Echtzeit durchsuchen. Dadurch sind sie in der Lage das massive Datenvolumen methodisch zu verarbeiten und nahezu jeden Winkel eines Menschen auszuleuchten.

Kommerzielle Datensammler

Aber bevor ich ausführlicher auf die Geheimdienste eingehe, komme ich noch mal auf die kommerziellen Anbieter zurück. Google und Facebook sind die bekanntesten Namen im Geschäft mit Informationen. Sie werten Suchanfragen, Nachrichten und E-Mails aus, hinterlegen Schlüsselwörter mit Werbung, erstellen Profile und verkaufen diese Informationen an Dritte.

Wenn Sie beispielsweise über Facebook eine Nachricht schreiben. Kennt das Unternehmen natürlich den Inhalt. Aber auch wann und von wo sie die Nachricht geschrieben haben. Falls dabei das Handy benutzt wurde, ist die Ortung exakt. Dazu kommen bestimmte Kontexte und Schlüsselwörter. Sind Sie glücklich, wollen Sie etwas kaufen, wann und wie oft sind Sie traurig, wem schreiben Sie bei welcher Stimmung. Durch diese Verknüpfung erfährt man viele Hintergründe und Beziehungen. Sie verraten Dinge, die Sie vielleicht nicht sagen wollten und Dinge, die Sie vielleicht nicht selbst wussten. Man muss sich bewusst sein, dass Privatsphären-Einstellungen immer nur andere Nutzer betreffen, aber nicht den Dienst selbst. Wenn nur Freunde ihre Einträge lesen können, schützt Sie das vielleicht vor Fremden. Aber der Dienst weiß alles und kann auch alles nutzen und weiterverkaufen.

Mosaik

Nun ist man nicht gezwungen solche Dienste zu nutzen. Ich für meinen Teil nutze Facebook und diverse Google Produkte. Ich sehe das so, dass die Dienste kein Geld kosten, aber ich zahle mit Informationen über mich selbst. Aber auch ein Fernbleiben von solchen Diensten schützt oft nicht davor von Ihnen erfasst zu werden. Google Mail ist ein sehr beliebter und verbreiteter E-Mail-Dienst. Die Mails werden auch da nach Schlüsselwörtern durchsucht. Das betrifft nicht nur die Besitzer eines solchen Kontos, sondern auch diejenigen, die im Austausch mit Gmail-Nutzern stehen. Ganz schnell haben so Dienste, das betrifft nicht nur Google, Zugriff auf Ihre Daten, ohne dass Sie dort Kunde sind. Genauso gibt es etliche Dienstleister, die für sie Adressbücher oder Notizen speichern, was auch eine gute Informationsquelle sein kann. Vernetzt man dann die Daten von mehreren Anbietern, lässt sich oft ein gutes Profil von Ihnen erstellen, alleine aus den Informationen anderer. Natürlich fehlen immer wieder einzelne Details, aber wie bei einem lückenhaften Mosaik, lässt sich das Gesamtbild oft erkennen. Gerade bei kostenloses Diensten ist es immer hilfreich sich vorher über sie zu informieren und die AGBs durchzulesen. Irgendwie muss mit solchen Angeboten immer Gewinn erwirtschaftet werden und das muss nicht nur durch Bannerwerbung geschehen.

Datendiebstahl

Wir hatten bis jetzt zwei grobe Kategorien. Auf der einen Seite Daten, die Sie über sich selbst preisgeben. Auf der anderen Seite Informationen, die Dritte über Sie liefern. Es gibt aber noch mindestens eine weitere Möglichkeit. Ihre Daten werden einfach genommen, ohne Ihre Erlaubnis, ohne versehentliches Ausplaudern. Das kann zum einen durch Datenlecks entstehen. Bei Sony wurden vor einigen Jahren 100 Millionen Datensätze mit Anschrift und Rechungsdaten von Hackern erbeutet. Aber auch ohne den Eingriff von Hackern kommt es immer wieder zu Pannen. Beim Cloud-Speicher-Anbieter Dropbox waren eine Zeit lang private Dateien öffentlich, so das praktisch jeder intime Dokumente lesen und kopieren konnte.

Allerdings loten viele Unternehmen die Grenzen des Datenschutzes aus und möchten sich neue lukrative Einnahmequellen erschließen. Das Apothekenrechenzentrum VSA in München steht unter Verdacht mehrere Millionen Datensätze von Patienten unzureichend anonymisiert verkauft zu haben. VSA verfolgt laut Spiegel Online nach eigenen Angaben 300 Millionen Patienten und kann umfangreiche Angaben zu deren Krankengeschichte machen. Alles was Sie tun müssen, um erfasst zu werden, ist etwas auf Rezept in einer Apotheke zu kaufen. Dieses Profiling durch Konsum lauert auch an anderer Stelle. Wenn Sie etwas mit einer EC-Karte bezahlen, muss dieser Vorgang zu Abrechnungszwecken einige Zeit zwischengespeichert werden. Das alleine gibt wieder genug Raum für illegalen Datenhandel.

Aber auch ohne Internet, ohne Handy, ohne EC-Karte und ohne Freunde macht wahrscheinlich jemand gerade Geld mit Ihren Informationen. Städte und Kommunen dürfen ganz legal ihre Adressdaten an Unternehmen und Privatpersonen verkaufen. Spiegel Online hat das letztes Jahr in 28 Städten untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass dort 4,5 Millionen Auskünfte für mehr als 12 Millionen Euro Umsatz erteilt wurden. Ganz weit vorne befindet sich übrigens Hannover, wo jeder Einwohner ungefähr 0,5 Mal abgefragt wurde. Davor ist nur Karlsruhe.

Was bedeutet das für uns? Es heißt, dass sehr viel Menschen Dinge über Sie wissen, als Ihnen lieb sein könnte. Es bedeutet auch, dass Sie wenig bis keine Kontrolle darüber haben, was mit Ihren Daten geschieht und einige Firmen damit sehr reich werden. Man kann sich engagieren und hoffen, dass die Regierungen etwas gegen die Ausschlachtung der Privatsphäre tun. Das ist zumindest, was ich eigentlich sagen wollte und dann kam Edward Snowden.

Das Allsehende Auge

Wer genau diesen Beitrag liest, weiß ich nicht. Die Geheimdienste allerdings schon. Und sie wissen, was Sie gestern gelesen haben. Was Sie eingekauft haben und wo Sie gerne ihre Zeit verbringen. Das heißt nicht, dass es die Nachrichtendienste auch interessiert. Aber für den Fall, dass später ein Interesse aufkommt, werden die Daten zwischengespeichert. Für den Moment zwar nur mehrere Tage, allerdings werden schon Datenzentren gebaut, um das Problem zu beheben.

Es besteht die berechtigte Frage, wo eigentlich das Problem ist, wenn Sie nicht gerade für Al Qaida eine Bombe bauen, um ihren Unmut an Frau Merkel und Mr. Obama zu äußern. Im Fall von Deutschland reicht es vielleicht auch schon Counter-Strike zu spielen und negativ über seine Lehrkräfte zu reden. In Großbritannien reicht es wiederum schon für den Guardian zu arbeiten und Mitglied der freien Presse zu sein. Die Maßstäbe sind also variabel und eine Einschränkung der Presse als vierte Gewalt ist gelinde gesagt gefährlich. Aber die meisten Menschen sind weder Terroristen, Counter-Strike-Spieler oder – Gott bewahre – Journalisten (;-)). Also was bedeuten die neusten Erkenntnisse für den Durchschnittsmenschen?

Zum einen besteht die nahe liegende Vermutung, dass dieser Beitrag auf irgendeiner Watchlist, zumindest kurzzeitig, aufgetaucht ist. Es ist anzunehmen, dass die Überwachungsprogramme den Datenverkehr nach Schlüsselwörtern durchsuchen und ich habe immerhin gerade Al Qaida, Bombe, Obama, Merkel, Gott, Gewalt und andere Schlüsselwörter verwendet. Da fehlen höchsten noch Dschihad und Cthulhu. Ups. Zum anderen stehe jetzt nicht nur ich, sondern auch Sie vielleicht auf einer Watchlist. Immerhin treiben Sie sich auf der Website eines Bomben bastelnden Terroristen herum. Die Chance, dass ein schwarzer SUV vorbeikommt und uns nach Guantanamo bringt, ist allerdings weiterhin gering. Es sei denn, diese Website wird wirklich regelmäßig von jemandem gelesen, der etwas Böses plant. Dann könnten wir unverschuldet in Probleme geraten. Ähnlich wie Kommilitonen des Boston Bombers in arge Bedrängnis kamen. Diese fanden es spaßig, dass ihr Freund einem Typ auf dem Fahndungsplakaten ähnlichen sah und machten sich per SMS darüber lustig. Diese SMS wurden sichergestellt und die Studierenden bekamen das Verhör ihres Lebens, weil sie der Beihilfe beschuldigt wurden.

False Positives: Die falsche Jacke

Aber es gibt auch andere weniger extreme Situationen, die unerwartete Folgen haben können. Stellen Sie sich beispielsweise vor, sie fahren nach der Arbeit mit der S-Bahn nach Hause. Sie haben leider Ihre Bahn verpasst und sind für die nächste eigentlich viel zu früh. Bedauerlicherweise haben Sie sich am Morgen mit Ihrer Garderobe verschätzt und tragen eine viel zu dicke Jacke. Schwitzend beobachten Sie die abfahrenden Züge, kramen in Ihren Jackentaschen herum und lesen eine alte Zeitung. Ihrer schwerer Rucksack macht das Warten auch nicht erträglicher. Plötzlich werden Sie von der Polizei umzingelt und verhaftet. Ihnen werden Ihre Sachen abgenommen, sie werden einige Stunden verhört und ihre Wohnung durchsucht. Die Polizisten haben Pläne von der Bahnstation in Ihrer Wohnung gefunden und sie werden verdächtigt einen Anschlag geplant zu haben. Sie sind sich keiner Schuld bewusst, beteuern reinen Gewissens ihre Unschuld, aber Beweise sind objektiv, sie Lügen nicht oder?

Der geschilderte Fall ereignete sich in Groß Britannien und der Verdächtige war David Mery. Was war passiert? Das in Groß Britannien stark ausgebaute Kameranetz erfasste Mery als er auf seinen Zug wartete. Ein Computeralgorithmus stufte sein verhalten als verdächtig an und alarmierte einen Sachbearbeiter, der alles weitere in die Wege leitete. In seiner Wohnung fand man dann Kritzeleien, die zufällig mit viel Phantasie an die Bahnstation erinnerten. Mery wurde aus Mangeln an Beweisen in der folgenden Nacht freigelassen. Ende gut, alles gut, könnte man sagen. Könnte man, wenn Mery heute, nach acht Jahren, nicht immer noch auf der Terror-Watchlist stehen würde. Er bekommt keine Auslandsreise-Visa und gilt als verdächtig, obwohl er nie eines Verbrechens für schuldig gesprochen oder auch nur angeklagt wurde.

False Positives: Zu freundlich

Ein zweites Beispiel muss an dieser Stelle noch genannt werden. Nicht jeder von uns trägt Winterjacken an Sommerabenden oder ist britischer Staatsbürger. Aber ich kenne keinen Menschen, der niemals E-Mails schreibt. Gerade bei studentischen Abschlußarbeiten werden empirische Erhebungen über das Internet immer beliebter. Sie sind gerade für beschränkte Budgets eine gute Methode, um an quantitative Ergebnisse zu kommen. Die Umfragen sind meist öffentlich und werden über Verteiler und Freunde verbreitet. Genauso haben Sie das auch vor einigen Jahren gemacht, sagen wir bei Ihrer Magisterarbeit. Als Katholik und Akademiker interessiert Sie der Islam sehr, wahrscheinlich auch durch Ihre türkischstämmige Ehefrau. Deshalb untersuchen Sie das Verhältnis beider Religionen und der schon erwähnte Online-Fragebogen beschäftigte sich mit diesem Thema. Diese Arbeit ist aber schon lange Geschichte und dank Ihr arbeiten Sie jetzt in der Landesregierung daran Brücken zwischen verschiedenen Kulturen zu bauen. Zum Antritt des neuen Jobs bedanken Sie sich per Mail bei allen Teilnehmern der Umfrage, immerhin wären Sie ohne die kleine Studie wahrscheinlich nicht hier. Und plötzlich erscheint ein Zeitungsartikel über Sie indem berichtet wird, dass der Verfassungsschutz befürchtet sie könnten ein islamistisches Sprachrohr in die Landesregierung sein. Sie bekommen Drohanrufe von Rechtsextremisten, Sie müssen um Ihren Job bangen, Ihre Familie ist verunsichert und überall redet man über Sie.

Das ganze passierte so ähnlich Michael Blume aus Baden-Württemberg. Er wusste nicht, dass das einer seiner Umfrage-Teilnehmer ein Islamist unter der Überwachung des BND war. Als er mit ihm Kontakt hatte, geriert Blume selbst auf die Überwachungsliste. Der Reporter wusste sowohl von Blumes E-Mail als auch von der Überwachung durch den Bundesnachrichtendienst und so kam seine Geschichte in die Zeitung. Blumes Engagement in der von ihm gegründeten christlich-islamischen Gesellschaft und alle anderen Vermittlungsversuche zwischen den Kulturen wurden ausgeblendet. Es wurde sich lediglich auf eine aus dem Zusammenhang gerissene E-Mail konzentriert. Heute, zehn Jahre später, wird er immer noch auf die Vorfälle angesprochen und auf rechten Web-Portalen genannt.

(Un)schuldsvermutung

Die Fälle von Michael Blume und David Mery zeigen ein erwiesenes Prinzip. Menschen werden den Umständen entsprechend behandelt. Beide galten von vorne herein als verdächtig, selbst wenn es durch ein Computerprogramm passierte. Sie wurden dann durch das Licht dieser Anschuldigungen betrachtet. So kam es dazu, dass vermeintliche Beweise gefunden, die keine Waren. Heute im Zeitalter von Big Data, also riesigen Datenprofilen über sie und mich, ist es sehr wahrscheinlich irgendetwas zu finden, das zwielichtig aussieht. So schaffen immer mehr Informationen am Ende immer mehr Unsicherheiten und Räume für Fehler. Die Datenmengen werden in dem Fall nicht zur Lösung, sondern zum Problem. Es muss zwangsläufig ein immer größerer Teil der Informationen maschinell erfasst, sortiert und gesichtet werden. Menschliche Vernunft und Intelligenz kommen erst im zweiten Schritt und dann meistens schon voreingenommen.

Zwar haben Sie das Recht auf ein faires Verfahren, das ist allerdings an vielen Orten der Erde inzwischen durch die Furcht vor Terrorismus umfassend ausgehöhlt worden. Außerdem ist das Kräfteverhältnis nicht gleich verteilt. Mit Überwachungsmaschinen wie Prism und Tempora, sitzt die Anklage an deutlich längeren Hebel, wenn es darum geht belastendes Material zu finden. Was ist, wenn sie in der Nähe eines Verbrechens waren und etwas zufällig passendes per SMS gesagt haben? Je nach Handymodel und Anbieter kann das viele Jahre zurückverfolgt werden. Das Problem ist, dass Sie nichts unrechtmäßiges getan haben müssen. Es muss nur verdächtig aussehen. Auch ohne Strafe und Prozess überstehen Sie das nicht unbeschadet, wie die beiden Beispiele gezeigt haben.

Tiefgekühlte Gewissensfreiheit

Sobald Sie darüber nachdenken müssen, ob Sie bei einer privaten Kommunikation etwas aussprechen sollten oder nicht, wird eine wichtige Linie überschritten. Ich spreche von der Gewissensfreiheit, die allen im Grundgesetz garantiert wird. Ich zitiere hier mal Wikipedia:

Gewissensfreiheit ist die Freiheit, Entscheidungen und Handlungen aufgrund des Gewissens, frei von äußerem Zwang, durchführen zu können.

Zum äußeren Zwang gehört auch, sich Gedanken darüber machen zu müssen, wer, wann, wie seine Unterhaltung vielleicht unerlaubt mitverfolgt. Es kann durch Überwachung zu einem sogenannten Chilling Effect kommen, wenn man aus Angst vor Folgen durch Überwachung sein Verhalten ändert. Die deutsche Rechtssprechung hat diese Thematik schon im Volkszählungsurteil angeschnitten. Es kam zu dem Urteil, dass:

Wer nicht mit hinreichender Sicherheit überschauen kann, welche ihn betreffende Informationen in bestimmten Bereichen seiner sozialen Umwelt bekannt sind, und wer das Wissen möglicher Kommunikationspartner nicht einigermaßen abzuschätzen vermag, kann in seiner Freiheit wesentlich gehemmt werden, aus eigener Selbstbestimmung zu planen oder zu entscheiden.

Mit anderen Worten, wer nicht einschätzen kann, was mit seinen Daten und Aussagen geschieht, dessen Freiheit wird eingeschränkt. Die Möglichkeiten der Überwachung werden in Zukunft nur zunehmen. Alleine mit der Umstellung auf IPv6 kommen ganz neue Umstände auf uns zu. Wenn ich Sie hier nun etwas ratlos zurücklasse und Sie vielleicht nicht wissen, was Sie tun sollen oder können, dann habe ich noch ein paar letzte Worte der Beruhigung.

Sie können gar nichts tun. Zwar leben Sie in einem demokratischen Staat, aber die Spionage findet außerhalb unserer Rechtssprechung statt und ist nicht an unsere Gesetze gebunden. Genau deswegen ist der BND auch interessiert an den Daten von NSA und GCHQ. Selbst wenn die Geheimdienste zum Schutz der Bürger arbeiten, gibt es auch dort immer wieder Missbrauch. Bei der NSA ist es zwar keine gängige Praxis seine Geliebten zu überwachen, allerdings kommt es so oft vor, dass es mit LOVEINT ein eigenes Codewort dafür gibt. Aber das beste Beispiel dafür, dass die Geheimdienste ihre Macht nicht unter Kontrolle haben, ist Edward Snowden selbst. Er hat die Informationen an die richtigen Stellen weitergeleitet, wer sagt, dass es nicht auch schon für schlimmere Zwecke genutzt wurde? Sie brauchen sich glücklicherweise keine Gedanken machen, ihnen wurde die Entscheidung abgenommen und Sie haben in Ihrem Privatleben kein Mitspracherecht mehr.

 

Nachtrag:

VSA hat zu den Vorwürfen innerhalb dieses Beitrags Stellung genommen. Mir wurde versichert, dass die Daten doppelt anonymisiert sind und nicht unzureichend, wie bei Spiegel Online behauptet. VSA würde damit im Rahmen der deutschen Gesetzgebung handeln und das Vorgehen ist vom Bayerischen Landesamt für Datenaufsicht geprüft. Es wäre jetzt scheinheilig, wenn ich mich über die Nutzung von anonymisierten Daten erbosen würde, immerhin bin ich Geisteswissenschaftler. Die Crux an der Sache ist für mich allerdings, wie anonymisiert die Daten wirklich sind und die generell fehlende Aufklärung über das Thema in der Bevölkerung. Wenn ein Problem nicht erkannt wird, wird es auch nicht behoben.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: