Wissen trifft immer und zwar kritisch

Gut, Antworten machen wahrscheinlich nicht dumm, aber andererseits was bringen sie schon? Sie sorgen dafür, dass wir uns mit einer Frage nicht mehr beschäftigen. Zum Glück werfen Antworten oft neue Fragen auf, ansonsten würde unser Denkprozess wahrscheinlich irgendwann vollständig zum Erliegen kommen. Was uns wirklich weiter bringt, ist nicht die Lösung, sondern der Weg der uns zu ihr geführt hat. Je geübter und besser wir im Finden von Antworten werden, desto einfacher fällt es uns etwas dazu zu lernen und mit neuen Problem umgehen zu können.

In der Schule wird uns ein notwendiges Grundwissen eingetrichtert, damit wir für jede Karriere etwas vorbereitet sind und für keine so richtig. Die Universität ist (oder war?) da anders. Wir studieren ein bestimmtes Fach, weil wir uns entschlossen haben uns zu spezialisieren. Allerdings wird schnell klar, dass es dort auch genug Stoff gegeben hätte, um zwölf oder dreizehn Schuljahre alleine zu füllen. Was über das Grundwissen hinaus sinnvoll ist, muss jeder nach dem eigenen Interesse selbst beurteilen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich die Studenten weniger interessieren. Das liegt meiner Meinung nach in keiner Weise an der Intelligenz der Studenten oder den immer schlechter werdenden Zeiten (Vorsicht, Ironie). Es einer Verkettung glücklicher Umstände (keine Ironie) und veränderten Anforderungen.

Schauen wir uns das Bachelorstudium mal Abseits der nörgelnden Debatte an. Im Prinzip ist es ein straffes Studium in der möglichst vielfältige Kompetenzen in begrenzter Zeit erworben werden sollen. Durch die Vielfalt und den engen Zeitplan kommt es zu weniger Tiefgang, der später im Masterstudium nachgeholt werden kann. Das Bachelorstudium soll ein vollwertiges Studium sein. Es liegt also nicht unbedingt im Interesse des Systems ein Fass auf zu machen, dass im Studiengang nicht mehr ausgetrunken werden kann. Meiner Erfahrung nach sind die Arbeiten im Bachelorstudium oft oberflächlicher und die Antworten eindeutiger, als ich das aus dem Magisterstudium gewohnt bin. Das ist wieder nicht wertend gemeint, Verzeihung ich habe ständig das Bedürfnis eine Systemdebatte zu verhindern. Im Magisterstudium waren viele (auch ich) zeitweise überfordert, weil man so lange ins kalte Wasser geworfen wird, bis man Kiemen hat oder ertrinkt. Eben wegen der vielen Wasserleichen, gab es ja die Änderung hin zum Bachelor.

Wie dem auch sei, durch die simpleren Antworten kommen auch weniger Fragen auf. Mehr noch, es werden meistens nur Fragen gestellt, auf die es eine Antwort gibt. Am Ende muss das Thema auch prüfbar und die Arbeiten der Studenten vergleichbar sein. Der Anspruch des fairen und vergleichbaren Studiengangs führt auch zu weniger Ecken und Kanten. Aber gerade diese Stolpersteine haben auch dazu geführt, dass man sich gefragt hat, warum man eben gefallen ist und begonnen hat nach Antworten zu suchen. Keine Antwort zu haben, aber Fragen – das ist die Essenz der Forschung. Gleichzeitig können die Fragen nun einfacher im Internet beantwortet werden. Wikipedia ist da nur eine Quelle, es gibt auch viele Foren in denen man Antworten findet. Bei allem wissenschaftlichen Anspruch, ist die Qualität der Antworten oft denen der Fragen entsprechend. Oder zumindest so gut, dass man durch seinen straffen Zeitplan kommt. Im Fall des Bachelors ist das Ziel ist das Ziel und nicht der Weg. Das war auch beim Magister höchstens in ideeller Weise anders. Nach der Abschlussnote fragen viele, keiner aber nach deinen Referaten aus dem 3. Semester. Beim Bachelor beeinflussen diese aber wesentlich stärker die Note.

Im Endeffekt kommt durch all das der Antwort und nicht der Frage die Aufmerksamkeit zu.Das ist meiner Meinung nach für die akademische Bildung tragisch. Interesse wird nicht mit Fragen geweckt deren Antwort überall zu finden ist. Es ist auch nicht den Studenten vorzuwerfen Wikipedia zu nutzen. Wie in der Schule, scheint das Wissen dort oft auszureichen, zumindest wenn man es genug dekoriert. Der Unterschied zwischen Lehrer und Dozent fällt oft nicht mehr auf. Was Humboldt hier sagt, findet sich inzwischen immer seltener wieder:

[quote]Wenn also der Elementarunterricht den Lehrer erst möglich macht, so wird er durch den Schulunterricht entbehrlich. Darum ist auch der Universitätslehrer nicht mehr Lehrer, der Studierende nicht mehr Lernender, sondern dieser forscht selbst, und der Professor leitet seine Forschung und unterstützt ihn darin.“[/quote]

Humboldt, W. v.: Über die mit dem Königsbergischen Schulwesen vorzunehmende Reformen. S. 170. In: Flitner, A.; Giel, K.: Über die mit dem Königsbergischen Schulwesen vorzunehmende Reformen. Werke in fünf Bänden. Schriften zur Politik und zum Bildungswesen. Band IV,  S. 167–187. Darmstadt 1964.

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