Wissen trifft immer und zwar kritisch

Bei mir geht es im Moment viel um Arbeitsmethoden. Sowohl bei mir selbst als natürlich auch die Forschung über und Arbeit mit Arbeitsmethoden. Die Analyse und Planung von Arbeitsschritten ist keine Vorbereitung der Arbeit, sondern schon ein essentieller Teil. Einer der Schritte ist selbstverständlich festzulegen um welches Projekt wir uns als nächstes kümmern. Das ist aber oft leichter gesagt als getan, weil selten nur ein Projekt ansteht und die Prioritäten nicht immer klar zu verteilen sind. So geht es mir jetzt nach meiner Zwangspause auch. Viele Baustellen, begrenze Kapazität und eigentlich müsste alles sofort erledigt sein. Das Schlimme ist: So geht es mir auch bei meinen Hobbies.

Darum gehe ich die Aufgaben im Moment mit viel Unruhe an. Arbeite hier ein wenig, dort ein wenig und fühle mich als versuche ich eine Hydra zu erschlagen. Ich gehe zu viel auf einmal an und das auch noch unkonzentriert, obwohl ich es besser weiß. Sobald das einem selbst klar wird, kann man anfangen es zu ändern, nur fehlt diese Klarheit immer wieder. Wir sind es gewohnt viele Dinge gleichzeitig zu machen – zu viele, wie ich inzwischen meine. Wir telefonieren auf der Arbeit und schauen uns dabei eine Website an, als plötzlich eine neue Nachricht per Email eintrifft und wir dann über drei Dinge gleichzeitig nachdenken. Wissen nehmen wir immer komprimierter auf, lesen den Teaser oder nur die Überschrift einer Schlagzeile und wechseln dann zur nächsten.

Autoren wie Nicolas Carr beschreiben wie unsere Konzentrationsspanne durch das Internet immer kürzer wird. Ich meine, dass es nicht nur am Internet liegt, sondern das es nur der neuste Teil eines Trends ist. Wir Menschen haben die Veranlagung Informationen zu sammeln. Das Buch wurde als Medium dankend angenommen und auch heute, wo es neben Radio, Fernsehen und Internet existiert, basiert ein großer Teil der wissenschaftlichem Arbeit auf. Eine wissenschaftliche Arbeit gewinnt dadurch an Qualität je mehr Werke sie einbezogen und verarbeitet hat. So werden auch ohne Internet Bücher kaum ganz gelesen, sondern nur der vermeintlich relevante Teil von ihnen verarbeitet. In der Zeit in der man ein Buch vollständig ließt und umfassend versteht, ist es möglich viele Bücher auszugsweise zu verarbeiten. Das Konzentrieren auf einzelne Werke ist weniger effizient.

Aber auch privat überfliegen wir oft mehrere Internetseiten, statt den Artikeln einer Seite eine richtige Chance zu geben. Beim Autofahren hören wir Radio, beim Fernsehen blättern wir in einer Zeitschrift und ein Buch lesen wir mit Musik im Hintergrund. In den seltensten Fällen fokussieren wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf eine einzige Sache. Das ist schade, viele Erfahrungen werden so intensiver.

Aus der Meditation kenne ich das Gleichnis, dass unser Verstand wie ein Affe ist, der sich ständig von Ast zu Ast schwingt und an keinem verweilt. So scheint es auch bei uns zu sein, unser Hirn zerrt am Hirn und wir gehen in viele Richtungen. Wir nutzen die gewaltige Kraft unseres Gehirn, um viele Karren zu ziehen, anstatt einem nach dem anderen ans Ziel zu bringen. Das wäre zum einen wahrscheinlich weniger erschöpften, zum anderen aber langsamer. Wenn das aber bedeutet, dass ich ruhiger durch den Tag gehe und mich mehr mit meinen Aufgaben auseinandersetze, dann bin ich gerne langsamer.

In diesem Sinne konzentriere ich mich jetzt auf etwas anderes. Viel Erfolg!

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