Wissen trifft immer und zwar kritisch

Frau auf einem gruseligen PfadTrotz aller Offensichtlichkeit muss erwähnt werden, dass sich die digitale Suche von der analogen unterscheidet. Nicht nur in dem Punkt, dass die digitale Suche ein elektronisches Gerät voraussetzt. Wahrscheinlich suchen wir meistens mit dem Computer und da beginnen die ersten Unschärfen. Wir suchen hauptsächlich am Computer und nicht mit ihm. Er erlaubt uns nur die Interaktion mit dem Suchwerkzeug. Dienste wie Google, Bing oder die Katalogsuche der örtlichen Bibliothek sind Werkzeuge, aber auch mehr als das. Ein Brecheisen ist ein Werkzeug, genau wie eine Lupe, aber auch ein Jagdhund für einen Jäger. Aber der Hund ist komplexer als ein lebloses Ding. Der Jäger muss ihn verstehen, lesen können, da das Tier selbständig (mit)denkt. Ähnlich ist es bei Suchmaschinen, nur das diese nicht improvisieren sondern berechenbar sind, da ihre Ergebnisse aus Berechnungen resultieren.

Stellt euch eine Suchmaschine wie einen Igor vor. Ein Igor ist in diesem Fall der willenlose Helfer eines bösen und natürlich verrückten Wissenschaftlers. Igor ist ein Homunculus, ein Konstrukt, das künstlich geschaffen wurde. Dieser Erfolg ist davon überschattet, dass ausgerechnet das selbstständige Denken der eingebauten Gehorsamkeit zum Opfer fiel. Igor tut das, was ihr ihm sagt. Genau das. Wer ihr ihm auftragt 15 Minuten im Keller etwas zu suchen, wird er nach genau 15 Minuten aufhören. Egal ob er etwas gefunden hat oder nicht. Selbst wenn sich der gesuchte Gegenstand schon in seinem Blickfeld befindet wird er ihn nicht mehr ergreifen, wenn die Zeit um ist. Igor nimmt euch wörtlich. Möchtet ihr, dass er Brot holt, holt er euch welches. Aber falls er kein normales Brot findet, holt er dann Knäckebrot? Beschreibt Brot direkt alle Sorten oder nur die gebräuchlichsten? Es ist auf jeden Fall ein Sammelbegriff und Igor muss wissen, was alles dazu gehört. Manche Igors lernen auch Brot zu erkennen, dafür besteht Gefahr, dass sie etwas verwechseln.

Noch mal zurück vom Hund und Igor zur Suchmaschine. Diese unterscheiden sich von normalen Werkzeugen darin, dass ihr sie zwar bedient, sie aber auch selbständig arbeiten. Im verbogenen rechnen sie mit komplexen Algorithmen aus, was ihr wohl brauchen könntet. So sehr auch versucht wird die Technik voranzubringen, im Moment fehlt den Suchmaschinen eine Art gesunder Menschenverstand. Sie treffen keine Entscheidungen, sondern rechnen nur. Sie fragen nicht nach, sie gehen nur von den Parametern aus, die ihr Ihnen mitteilt und erahnen, was ihr möchtet. Das bedeutet, dass ihr die Suche nicht mehr unmittelbar selbst durchführt. Anstatt nach euren Schlüssel zu suchen, beschreibt ihr sie Igor und er sucht sie für euch. Ihr gibt nur die Anweisung, führt aber nichts aus. Alles was ihr tun könnt, ist die Anweisung immer wieder anzupassen und zu schauen, ob Igor die vermaledeiten Schlüssel nun endlich mitbringt. Während er gut zu sehen ist und ihr euch bewusst seid, wenn ihr mit ihm Interagiert, geht dieses Bewusstsein bei Suchmaschinen und ähnlichen Werkzeugen manchmal verloren. Sie arbeiten mehr im Verborgenen. Darum ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass ihr vielleicht ein etwas nicht findet, weil ihr die falsche Frage gestellt habt oder euch unklar ausdrückt.

Menschen können kreativ denken, im Gegensatz zu Suchmaschinen. Das Wissen existiert im Gehirn nicht eingeschlossen und nebeneinander, sondern auch verknüpft. Wir verknüpfen Vollkornbrot mit Toastbrot mit Brötchen und Pumpernickeln. Im schlimmsten Fall versteht die Suche aber nicht die Gemeinsamkeiten der Artikel, selbst wenn sie jeden einzelnen kennt. Bücher werden über Themengebiete und Tags in Bibliothekskatalogen in Beziehung zueinander gestellt. Aber es kommt immer wieder vor, dass man nicht unter dem richtigen Fachbegriff sucht. Es ist immer möglich, dass ein Buch unter ein ganz anderes Fachgebiet fällt, als das wofür ihr es anwendet. Natürlich könnte man auch nach dem anderen Fachbegriff suchen, allerdings muss man ihn dazu kennen. Ich habe auch Bücher aus der Neurologie für meine Magisterarbeit über Erinnerungskultur genutzt. Aber auch nur, weil ich sie durch Zufall gefunden habe. Mit medizinischen und biologischen Fachbegriffen kenne ich mich nicht aus.

In einer Bibliothek bei der die Bücher noch im Regal stehen, sind themenverwandte Büchernebeneinander. Man kann also assoziativ suchen. Suchmaschinen sind Filter, die Arbeiten wie eine Maske, die bestimmte Bereiche abdecken. Ihr könnt schlechter assoziativ suchen, da viele Stellen unsichtbar sind.

Das digitale Suchen erlaubt uns einen großen Datenbestand zu durchforsten. Bücher zu suchen, die in anderen Ländern sind. Allerdings laufen wir auch Gefahr viel zu übersehen. Man findet immer das wonach man sucht, aber auf etwas ähnliches zu stoßen, woran man noch nicht gedacht hat, dass fällt wesentlich schwerer.

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